Die spätrömische Doppelkelter von Lieser (2005)

Abb. 4: Grundriss der spätrömischen

Kelteranlage von Lieser

Zwei Jahre später wurde im Oktober 2005 beim Ausbau der L 47 zwischen Lieser und Kues ca. 500 m östlich von Lieser am Fuße eines steileren Südhanges (Weinlage "Lieserer Süßen-" bzw. "Niederberg") die zwölfte römische Weinkelter des Moseltals angeschnitten (Abb. 4).

 

Allerdings waren, wie die Untersuchungen ergaben, große Teile der Anlage schon bei früheren Arbeiten (Bau der Straße in den 30er Jahren des 20. und beim Bahnbau in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts) angeschnitten worden, ohne dass die Archäologen davon Kenntnis erhalten hatten. Auch bei der Straßenerweiterung im Jahre 2005 wurden wie bei der Anlage eines Sammlers weitere Teile unbeobachtet abgetragen, ehe das Rheinische Landesmuseum Trier über diesen Fund informiert wurde.

Obwohl große Teile der Kelter bereits zerstört waren und sich die Archäologen aus finanziellen wie zeitlichen Gründen weitgehend auf eine Untersuchung der gekappten Baureste in der künftigen Straßentrasse wie die Aufnahmen der Profile beschränken mussten, gelang es, die wesentlichsten Teile einer römischen Kelteranlage zu identifizieren. Die Kelter war im Laufe des 4. Jahrhunderts in einer der besten Weinlagen des Moseltals (Klasse I) als größere Doppelkelter errichtet worden. Bemerkenswert ist auch, dass für Lieser durch das Testament des Grimo bereits für das Jahr 634 Weinberge (ad Lesuram ) belegt sind.

 

Soweit der Grabungsbefund eine Interpretation zulässt, bildete die Kelter von Lieser eine Doppelkelteranlage nach dem Schema der großen Piesporter Kelter. Die beiden Maischebecken (B 1, B 2) erreichten eine Größe von je 6 x 4 m und waren damit geringfügig größer als jene von Piesport (5,3 x 4 m). Ihr Fassungsvermögen betrug in Piesport ca. 12 m³, in Lieser sogar 13,5 m³. Die Becken von Lieser sind damit die größten bisher nachgewiesenen Maischebecken des Moseltals. Von ihrer Gesamtausdehnung (19 x <15 m) ist die Anlage von Lieser aber deutlich kleiner, da in Piesport neben der eigentlichen Kelter noch Kellerräume und ein fumarium (Rauchkammer) zur vorzeitigen Alterung des Weines nachgewiesen sind.

 

Südlich vor den beiden Maischebecken lagen auf einer tieferen Ebene vermutlich zwei Pressbecken (B 3, B 4), zwischen denen eine Zugangsmöglichkeit zu den Maischebecken bestand. Vor den Pressbecken dürfen wir, vergleichbar mit Piesport, auf einer noch tieferen Ebene, wohl im Bereich der ehemaligen Bahntrasse, zwei Mostbecken erwarten. Die Funktion der übrigen Räume bleibt zunächst aber unklar.

Die der Doppelkelter zuzuordnenden Keramikfunde, darunter ein Ziegel mit dem Herstellungsstempel "NOBILLIACVM" sowie eine rädchenverzierte Terra-Sigillata-Scherbe gehören vornehmlich der zweiten Hälfte des 4. oder der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. an. Neben zahlreichen Traubenkernen enthielten die Bodenproben auch hier Kerne von Holunder sowie Äpfel/Birnen, wohl als Hinweise auf Rotwein und Viez.

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass bereits im Jahre 1973 im Rahmen der Flurbereinigung oberhalb der Kelter unweit der Gemarkungsgrenze, westlich Distrikt "Kordel", ein Bleigefäß zum Vorschein kam, das andernorts nachweislich zur Herstellung eines Mostkonzentrats genutzt wurden.

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